Allesverwerter – Einsatz gegen die Lebensmittelverschwendung

Das Phänomen Lebensmittelverschwendung ist weltweit ein großes Problem. Es macht keinen Sinn Essen wegzuwerfen, doch trotzdem passiert es täglich im großen Stil. Auch in Wien wandern täglich Mengen an genießbarer Ware in den Müll.  Ich habe deshalb mit einer Frau gesprochen, die sich mit ihrem Mann eine Lösung für dieses Problem überlegt hat. Was sie mir erzählt hat, liest du in diesem Beitrag.

Laut Zerowaste Austria wirft jeder und jede Österreicherin 19 kg Lebensmittel pro Jahr weg. Das sind pro Haushalt umgerechenet  ca. 300 Euro, die durchschnittlich durch Lebensmittelverschwendung für nichts ausgegeben werden. Während das Jahr für Jahr passiert, sind 1,8 Millionen Menschen in Österreich von Armut betroffen. Weniger als 6% der weggeworfenen Lebensmittel wird sozialen Zwecken, wie dem „Allesverwerter“ zugeführt.

Der Allesverwerter

Im 10. Bezirk Wiens, gibt es einen Markt, der nicht nur hilft die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, sondern auch für Menschen mit finanziellen Engpässen eine große Hilfe darstellt.  „Allesverwerter“ ist sein Name, der vom gemeinnützigen und gleichnamigen Verein betrieben wird. In dem Geschäft findet man vor allem Lebensmittel die kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sind, nicht mehr perfekt aussehen oder aussortiert wurden.

Durch die 2. Chance, die der Salat oder das Brot dort bekommen, werden viele Lebensmittel vor dem Verderben und der Verschwendung gerettet. Was das Angebot betrifft, gibt es alles was den täglichen Bedarf abdeckt. Für einen Unkosten Beitrag von 6 Euro kann man einen ganzen Einkaufskorb voll mit Essen mitnehmen.  „Wie im Schlaraffenland“, sagte eine Kundin als ich mit Andrea Kotesevec, der Gründerin des Vereins,  gesprochen habe. Das hat sie mir erzählt:

Wie ist die Idee für einen Verein wie den „Allesverwerter“ entstanden?

Im Laufe der Jahre wurde mir bewusst, wie viel Lebensmittel weggeschmissen werden. Auch Heute sehe ich wie viel Essen in einer Großstadt wie Wien verschwendet wird. Es sind nicht nur die Mengen, sondern auch die Tatsache, dass das Weggeworfene noch essbar ist, die mich erschreckt haben. Vor allem, weil es viele Menschen gibt die sich über genau dieses Essen freuen würden.

Mein Mann und Ich dachten uns, es muss doch auch anders gehen und, dass es eine Möglichkeit geben muss, das Essen für jene verfügbar zu machen, die es wirklich brauchen können.

Wie haben Sie es dann geschafft, die Idee umzusetzen?

Wir haben den gemeinnützigen Verein gegründet und dann hatte ich vor allem sehr viel Glück. Denn als ich verschiedenen Unternehmen schrieb, bekam ich viele Zusagen, dass sie uns mit den Lebensmitteln, die nicht mehr zu verkaufen sind, versorgen werden. Es gab natürlich auch Absagen, und manche brauchten etwas mehr Überzeugungsarbeit, damit sie erkennen was wir hiermit schaffen wollten.

Mit dem Geschäftslokal im 10. Bezirk können wir die Waren dann auch anbieten, die wir zuvor täglich von den Supermärkten abholen. Hier geben wir uns Mühe die Kühlkette nicht zu unterbrechen um die Haltbarkeit positiv zu beeinflussen.

„In Wien wird täglich jene Menge an Brot als Retourware vernichtet, mit der Graz die zweitgrößte Stadt Österreichs versorgt werden könnte.“ Was löst eine Meldung wie diese bei Ihnen aus?

Ich denke es ist schade um die Ware, weil sie meist noch genießbar ist. Denn vieles was weggeschmissen wird, ist wirklich noch in Ordnung. Doch es hat sich eingebürgert, dass wenn etwas nur eine kleine Macke hat, nicht mehr genommen wird. Außerdem sehe ich ja selbst, dass das gar nicht nötig ist.

Denn unser Verein rettet nicht nur diese Lebensmittel vom Verderben, sondern stellt sie auch dort zur Verfügung, wo sie gebraucht werden. Das geht nur durch unsere 30 ehrenamtliche Mitglieder, die sich abwechseln beim Transport und der Sortierung der Ware. Die Bereitschaft der Unternehmen, muss aber auf jeden Fall auch da sein, und zum Glück ist sie das bei manchen.

An wen richtet sich ihr Angebot und wer soll davon erfahren?

Jene Menschen die wenig Einkommen zur Verfügung haben, sei es wegen Arbeitslosigkeit, familiären Umständen, Behinderung, Obdachlosigkeit oder durch hohe Verschuldung; sind bei uns Willkommen. Konkret bedeutet das, Leute die im Monat weniger als 400 Euro zum Leben über haben.

Wir lassen uns das auch belegen und erst dann, bekommt man den Mitgliedsausweis, mit dem man dann so oft wie man möchte einkaufen kommen kann, und pro Korb 6 Euro zahlt. Wenn jemand aber wirklich darauf angewiesen ist und gerade dringend etwas braucht, schmeiße ich ihn oder sie auch nicht raus. Denn einen Engpass haben kann jeder. Hungern soll aber niemand.

 Woher und welche Produkte beziehen Sie?

Aus dem Handel, und auf unserer Website haben wir die verschiedenen Kooperationen aufgelistet. Es sind Lebensmittel die kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum sind und in Supermärkten vorzeitig aussortiert werden. Denn dort will sie niemand mehr kaufen. Damit alle rechtlich abgesichert sind gibt es Verträge die von uns und unseren Kunden unterschrieben wird.

Denn man kann natürlich nicht überall rein schauen, aber mit Hausverstand weiß man, welche Produkte noch in Ordnung sind. Egal wann man zu uns kommt, es wird den ganzen Tag Nachschub gebracht, somit ist immer alles was man für den täglichen Bedarf braucht da.

Was ist Ihr Ansatz Sie um der Lebensmittelverschwendung ein Ende zu setzen?

Ich denke, mit diesem Verein habe ich schon einen Schritt in die richtige Richtung gesetzt. 
Es wäre aber deutlich mehr zu retten, und es bräuchte mehr Leute die sich dafür einsetzen. Dazu muss man aber sagen, dass es viel Arbeit ist. Denn jeden Tag fahren wir zu 40 bis 50 Supermärkte ab, um gute Ware zur Verfügung zu stellen.

Auch wir unterstützen mit unseren Lebensmitteln gemeinnützige Kochprojekte, oder zum Beispiel den Fond Soziales Wien.

Auf welche Herausforderungen treffen Sie im alltäglichen Geschäft?

Was die Lebensmittel betrifft, bin ich ja fast auf kein Nein gestoßen und hatte somit großes Glück. Non-Food Produkte wie Kleidung oder Schuhe bekommen wir aber immer seltener. Woran das liegt weiß ich nicht, denn ich bin sicher auch hier gibt es einen Überschuss.

Von manchen Unternehmen weiß man ja sogar, dass alte Kollektionen einfach weggeschmissen oder verbrannt werden. Das ist schade, denn auch hier wäre ein großer Bedarf.

Muss bei Ihnen, im Geschäft, dann noch viel Ware entsorgt werden?

Natürlich bleibt auch bei uns was übrig. Die gute Ware holt zum Beispiel die Caritas, oder am Samstag die Tafel vom roten Kreuz. Sonst haben wir auch noch verschiedene Bauern, die sich die Lebensmittel holen, um die Tiere zu füttern. Ca. 10% von dem was dann noch über ist müssen wir wegschmeissen, da die Ware nicht mehr genießbar ist. Schade ist natürlich, dass dann immer noch etwas über bleibt, aber wenn etwas nicht mehr ok ist, muss es entsorgt werden.


Auch wenn das Problem zum Großteil beim Lebensmitteleinzelhandel, durch Verkaufsstrategien entsteht aber auch durch gesetzliche Rahmenbedingungen entsteht, muss sich etwas ändern. Eines der sustainable development goals ist die Lebensverschwendung weltweit um 50% zu senken. Damit hat die UN ein Ziel geschaffen, an dem sich auch die Politik jedes Landes orientieren muss. Am Ende kommt es aber auch darauf an wie wir selbst mit Essen umgehen und welche Schritte einzelne Menschen setzen um die Lebensmittelverschwendung zu stoppen.

Quellen:
  • http://www.zerowasteaustria.at/zero-food-waste.html
  • https://www.wien.gv.at/umweltschutz/abfall/lebensmittel/fakten.html
  • http://allesverwerter.at/

 

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