Ein sic!es Cycle Cinema

WOW… beschreibt das sic!e Cycle Cinema wohl am besten. Es war ein Abend, der mich persönlich  sehr motiviert und inspiriert hat: eine unbezahlbare Erfahrung. Nach dem Film  „the green lie“ waren  Werner Boote und Rainer Haas zu Besuch. Ich durfte ihnen bei der Podiumsdiskussion ein paar Fragen stellen, und dann wurde ich überrascht. Wie genau das passiert ist, welche Erkenntnisse ich aus diesem Abend gezogen habe und was sonst noch wichtig war, liest du jetzt.

Nach diesen einleitenden Worten sind, falls du nicht selbst dabei warst, wohl ein paar Fragen aufgekommen: Was ist ein Cycle Cinema? Was heißt eigentlich sic!? Und was haben wir von der Podiumsdiskussion mitgenommen? Kein Problem. Ich habe die Antworten, zumindest auf diese Fragen:

Das sic!e Cycle Cinema

Foto:Nadja Najjar

Zum dritten Mal in Folge haben wir vom „student’s Innovation Centre“ das Cycle Cinema veranstaltet. Kurz zur Erklärung: Ein sic!Cycle Cinema ist ein Open Air Kino und der Strom dafür wird mit Rädern bereitgestellt. Wir haben dazu im schönsten Kinosaal Wiens – dem Türkenschanzpark – eingeladen. Perfektes Wetter, tolle Gäste, ein tatkräftiges Publikum und der Film „the green Lie“, haben den Abend für mich zu einer Symbiose aus Genuss und Nachhaltigkeit gemacht.

Foto:Nadja Najjar

Einer der Werte vom sic! ist „die Leidenschaft zur Nachhaltigkeit“ und deswegen versuchen wir aus unseren Events sogenannte Öko Events zu machen. Dafür schauen wir schon bei der Werbung für das Event darauf, so wenig Müll wie möglich zu produzieren und ganz wichtig: wir räumen auch alles wieder weg. Damit der Türkenschanzpark so schön ist, wie er vorher war.

Foto:Nadja Najjar

Außerdem gibt es noch den Energie-Aspekt. Denn damit man ein Kino in einem Park veranstalten kann, braucht man natürlich Strom und den haben wir selbst produziert. Wobei, das stimmt nicht ganz. Denn eigentlich hat das Publikum dafür gesorgt, dass uns der Saft nicht ausging. Hört man auf zu Radeln, gibts nämlich keinen Film. Ganz einfach! Soweit ist es dieses Jahr aber nicht gekommen. Denn das Publikum hat wirklich alles gegeben und so konnten wir den Film  „die grüne Lüge“ bis zum Ende anschauen. Das hat sich echt gelohnt. All das nötige Equipment, wie die drei Räder, wurden uns übrigens vom CycleCinemaClub zur Verfügung gestellt. Danke dafür.

Foto:Nadja Najjar

Wer oder Was steckt nun hinter „sic!“?

Seit 2 Jahren bin ich selbst beim „student’s innovation Centre“ dabei. Am Anfang habe ich gezweifelt, ob ich alles was ich mir so vornehme schaffe. Aber nun weiß ich, dass die Zeit gut investiert ist. Ehrenamtlich bei einem Verein wie dem „sic!“ mitzuarbeiten erweitert den Horizont und ich habe schon eine Menge Chancen bekommen, mich selbst weiterzuentwickeln.

Darum geht es nämlich eigentlich auch. Die GründerInnen vom sic! haben schon früh erkannt, dass in uns Studierenden viel Potential steckt. Doch oft scheitert es an der Umsetzung, weil es an notwendigen Tools, dem nötigen Mut, einem Netzwerk oder einer guten Idee fehlt. Deshalb haben wir die Talenteschmiede, die Ideenschmiede und die Umsetzungsschmiede ins Leben gerufen. Wir unterstützen damit ökologische und soziale Projekte, Initiativen und Unternehmen in Wien. Wir haben uns viel vorgenommen, aber auch schon viel geschafft.

Die grüne Lüge: um was geht’s da eigentlich?

Foto: Nadja Najjar

Nichts kann euch mehr über die grüne Lüge verraten, als dass ihr euch den Film selbst anschaut. Es geht dabei um grüne Lügen, die uns vor allem immer wieder von Unternehmen aufgetischt werden.Um Zertifikate und Labels die nicht das halten was sie versprechen. Sie werfen sich in grüne Schale, und schmeißen mit Begriffen wie Nachhaltigkeit um sich. Dadurch verliert nicht nur Nachhaltigkeit als Begriff seine Bedeutung, sondern währenddessen wird die Umwelt verschmutzt und die menschliche Existenz gefährdet. Das mag jetzt sehr hart klingen, aber der Film von Werner Boote mit Kathrin Hartman zeigt deutlich: This is reality!

Greenwashing gibt es ungefähr seit 1970. Da haben Unternehmen anscheinend zum ersten Mal erkannt, dass man von Nachhaltigkeit, auch wenn sie nicht mal richtig gelebt wird, sehr profitieren kann.

Werner Boote hat auch von seinen eigenen Erfahrungen mit Greenwashing erzählt. Als er den Film „die grüne Lüge“ gedreht hatte, wurde er gefragt ob er nicht auch ein CO2 Zertifikat dafür haben wollte? Werner sagte: „Wie soll das gehen? Wir fliegen um die ganze Welt mit dem Filmteam, und unsere CO2 Bilanz  sieht wirklich nicht gut aus.“ Die Person die ihm das angeboten hatte meinte dann: „Das geht schon, kostet nur 3000 Euro!“ Diese Geschichte sorgte für Lacher, und zeigte wie einfach es doch sein kann zertifiziert zu werden, wenn die Geldsumme stimmt.


Ein Beispiel:
Mit Produkten aus nachhaltigem Palmöl soll uns vermittelt werden, dass wir mit unseren Konsumentscheidungen großartiges bewirken können.

Doch gibt es nachhaltiges Palmöl überhaupt?

Solange dafür Regenwald abgeholzt wird, kann es niemals nachhaltig sein! Nur weil ein Produkt oder eine Dienstleistung grün gefärbt wurde, heißt das noch lange nicht, dass es dir – geschweige denn unserem Planeten – etwas Gutes tun würde. Wichtig ist, die gesamte Arbeit der Unternehmen unter die Lupe zu nehmen, und Widersprüche aufzudecken. Wie bei einem Ölkonzern der damit wirbt, Tierwohl zu unterstützen. Während mit dem daily business viele Tiere sterben und auch ihr Zuhause zerstört wird. Das ist nicht nachhaltig, sondern Greenwashing.


Foto: Nadja Najjar

Der Film zeigt viele Beispiele für Greenwashing und ermuntert uns Menschen, das ganze System einmal mehr zu hinterfragen. Das sind wir nämlich im Endeffekt: Menschen! Auch wenn wir in letzter Zeit meist nur als KonsumentenInnen bezeichnet werden.

Die Podiumsdiskussion: Was gab es im Anschluss zu bereden?

Nachdem der Film vorbei war, wollten wir noch die Chance ergreifen Werner Boote (Regisseur von „die grüne Lüge“) und Professor Rainer Haas (Experte für Marketing und Agrarökonomie), ein paar Fragen zu stellen. Hier habe ich das Wichtigste zusammengefasst:

Weisheiten von Werner:

Wenn ich Menschen zum Beispiel für diesen Blog interviewe, bin ich immer sehr gespannt, aus welcher Perspektive sie diese Welt, in der wir alle leben, wahrnehmen. Ich bin der Meinung: Unsere Wahrnehmung beeinflusst, was wir sagen, wie wir Handeln und letzten Endes auch unser Sein.

Deswegen stelle ich auch manchmal Fragen, die uns mehr über den Menschen hinter einer solch inspirierenden Persönlichkeit, wie Werner Boote verraten sollen. Ich fragte also, wie er seine Themen für Filme wie Population Boom, The green Lie, Plastic Planet oder alles unter Kontrolle wählt, und welche tiefere Motivation dahintersteckt. Werner erzählte, dass er zum Beispiel bei der „grünen Lüge“ selber mehr über „nachhaltige Unternehmen“ wissen wollte. Vor allem nach „Plastic Planet“ wurde er gefragt, ob er nicht einen Film machen könnte, in dem die Unternehmen ein bisschen besser wegkommen und gezeigt wird, welche positiven Beispiele es an grünen Unternehmen gibt. Wer den Film gesehen hat weiß, dass dieses Ziel nicht erreicht wurde.

Foto: Nadja Najjar

Meine zweite Frage hat Werner Boote nicht ganz so beantwortet, wie ich es geplant hatte.

Ich wollte wissen: Welche Hebelwirkung müsste es geben, damit wir gemeinsam eine Welt erschaffen, in der ein gutes Leben für alle in Einklang mit der Natur möglich ist? Für eine einzelne Person ist das wahrscheinlich schwierig zu beantworten. Werner tat es trotzdem. Er erzählte, dass wir selbst entscheiden können, welche Unternehmen wir unterstützen und welche nicht. Die Voraussetzung dafür ist Transparenz. Wichtig sei es vor allem, auch von der Politik die entsprechenden Maßnahmen zu fordern und selbst aktiv zu werden. Wir als Menschen haben ein Recht auf Produkte die gut für uns und den Planeten sind. Jene die uns schaden, sollten verboten werden. Er meinte auch, es sei wichtig, dass wir zu unserer Meinung stehen und sie aktiv äußern. Das tat er auch selbst, beim 2. Weltweiten Klimastreik in Wien, wo er als Artist for Future eine Rede hielt.

Für so eine Welt müssen wir uns und vor allem unsere Systeme – wie das Wirtschaftssystem – hinterfragen und weiterentwickeln. Damit wir Menschen nicht mehr für das System arbeiten, sondern das System für uns. So wie es eigentlich gedacht war.

Was dann kam, hat mich etwas überrascht:

Auf einmal war ich die Befragte. Werner wollte von mir wissen, was passieren muss, damit wir uns als Menschen in eine Richtung entwickeln, die uns und den Planeten nicht zerstört.

Ob meine Antwort richtig oder falsch ist, muss natürlich jeder und jede für sich selbst entscheiden. Ich sehe das jedenfalls so:

Während wir in dieser Gesellschaft aufwachsen, übernehmen wir viele Denkmuster und Verhaltensschablonen, die uns persönlich aber auch im kollektiv, alles andere als weiterhelfen. Oft passen sie auch gar nicht zu unserer aktuellen Situation und stellen uns immer wieder vor Herausforderungen.

Früher war es wichtig, die Wirtschaft unendlich wachsen zu lassen. Auch ich bin in einer Familie aufgewachsen, wo Geld aber auch Status zentrale Themen waren. Mit der Zeit bemerkte ich, dass ich gewisse Muster übernommen hatte, die ich eigentlich nicht unterstütze, und entwickelte mich zu einem Konsumtrottel.
Dieses Verlangen nach mehr hat sich also auch bei mir entwickelt. Ich arbeite noch immer daran, solche Muster zu hinterfragen und jene auszutauschen, die ich nicht mit vollem Herzen unterstützen kann. Für mich ist und bleibt es ein Prozess und geht nicht von heute auf Morgen, aber wichtig ist nicht aufzugeben. Denn klar ist: unendliches Wirtschaftswachstum ist nicht das Ziel!

Ich glaube, wir müssen uns selbst richtig kennen lernen, alte Gewohnheiten hinterfragen und uns mehr mit uns selbst beschäftigen. Das würde ein großes Stück zu einer besseren Welt beitragen.

Foto: Nadja Najjar

Damit meine ich nicht die egoistische Art und Weise, bei der man nur den eigenen Vorteil jagt. Sondern, ehrliches Kennenlernen von dem Menschen, der oder die man ist. Wir alle begegnen auf unseren Wegen Herausforderungen und viele davon verursachen auch Schmerzen. Doch sich von den Schmerzen lähmen zu lassen, und dann vielleicht auch anderen, auf welche Art und Weise auch immer, Schaden zuzufügen, ist keine Option. So wie ich das sehe, ist es die Verantwortung von uns allen, diese Schmerzen aufzuarbeiten, und vor allem, sie nicht an die nächste Generation weiterzugeben.

Ich habe realisiert, dass wenn ich mich ehrlich mit mir selbst auseinandersetze, sich die Welt eben nicht nur für mich dreht.
Denn erstens sind wir soziale Wesen mit Gefühlen und Bedürfnis nach Nähe. Auch unseren Mitmenschen muss es gut gehen, oder?
Zweitens sind wir Menschen das Produkt natürlicher Prozesse. Jahrelang haben wir uns weiterentwickelt und das ist aus uns geworden.

Bei all dem Nachdenken habe ich zum Glück schon früh erkannt, dass ich eine gesunde Welt zum Überleben brauche, und nicht sie mich. Dadurch lernt man Natur nicht nur enorm zu schätzen, sondern erkennt auch, dass man ein Teil von ihr ist.

Foto: Nadja Najjar

Realtalk mit Rainer:

Der Film die grüne Lüge hat sehr gut gezeigt, wie Marketing missbraucht wird, um uns KonsumentInnen zu täuschen. Kritiker würden behaupten Marketing wäre somit auch Ursache für die Überfluss-Gesellschaft, in der wir leben. Ich wollte deshalb wissen:
Wie kann Nachhaltigkeit mit Marketing in Verbindung gebracht werden?
Er antwortete: „Marketing ist in erster Linie ein Instrument. Natürlich führt es dazu, dass Unternehmen unsere Entscheidungen beeinflussen können. Aber ein Werkzeug wie Marketing kann eben auch positiv genutzt werden, indem man Menschen Produkte vorstellt, die wirklichen Wert für die Allgemeinheit haben.“

Was denkst du sind Konsumgewohnheiten, die wir uns genauer ansehen, und vielleicht sogar ablegen sollten?
Er erzählte uns, dass wir oft verführt werden, wenn wir von Regal zu Regal im Supermarkt wandern. Das ist auch beabsichtigt von den Unternehmen. Wenn wir nur darauf schauen, was uns wirklich guttut, würden wir auch einen Unterschied für diese Welt machen. Denn klar ist: es geht nur gemeinsam, durch viele Handlungen vieler Einzelner. Für mich als Einzelperson heißt das dann zum Beispiel, dass ich biologische Produkte kaufe, weil sie ja zum einen den Boden schonen und somit auch in Zukunft Nahrung angebaut werden kann. Aber auch, weil hier Pestizide weder mich noch meine Umgebung vergiften.

Es bedeutet zusätzlich, dass ich mich zum Beispiel eher selbst bewege, als mich bewegen zu lassen (Öffentliche-Verkehrmittel sind trotzdem wichtig). Schaut man genauer hin, findet man viele Beispiele, die zeigen, dass Umweltschutz auch Selbstschutz bedeutet. Mir ist auch wichtig zu sagen, dass wir Menschen uns in einem gewissen Zwiespalt befinden. Denn zum einen sind wir auf der Suche und haben auch das Recht auf ein gutes Leben für uns selbst. Zum anderen steht das eigene Wohl in Konkurrenz mit einem guten Leben für alle. Vielleicht kann man das ja in Zukunft verbinden.


Foto: Nadja Najjar

Kannst du nun nachvollziehen, warum mich dieser Abend so verzaubert hat? Ich finde, dass ein Austausch wie dieser so wichtig ist. Gespräche und Begegnungen sind für mich ein Geschenk. Denn jedes Mal tauscht man sich aus, man gibt und nimmt, und am Ende können wir voneinander lernen und miteinander wachsen. Gemeinsam funktioniert das so viel besser als einsam.

 

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