Fridays for Future und der Streik für eine bessere Zukunft – ein Interview

Morgen ist es soweit. Weltweit gehen tausende Menschen auf die Straßen ihrer Stadt, um ihre Stimme zu erheben, Klimaschutz zu fordern und für eine bessere Zukunft zu streiken. Ich habe mich schon letzten Freitag auf dem wöchentlichen Klimastreik von Fridays for Future Wien mit Phil getroffen. Er ist einer derer die Fridays for Future in Wien organisiert und belebt haben und das hat er mir erzählt:

Lieber Phil, wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Phil, ich bin bei Fridays for Future aktiv und organisiere die Klimastreiks in Wien. Mein Weg zum Klimaschutz hat bei mir schon vor langer Zeit, in einem kleinen Dorf am Rande von Wien begonnen.  Schon früh hab ich eine Liebe zur Natur entwickelt und vor allem die unberührte Natur schätzen gelernt. Das habe ich vor allem meinen Eltern zu verdanken, die oft mit mir in den Wald gegangen sind und mir gezeigt haben, wie wichtig es ist einen Rückzugs- und Erholungsort, wie einen Wald zu haben.

Im Dezember 2018 hatte ich die Möglichkeit als Jugenddelegierter Österreichs, and der Klimakonferenz in Kattowitz teil zu nehmen. Dort wurde mir nochmal klar, wie wichtig es ist für diesese Thema aufzustehen und somit habe ich begonnen die Friday’s for Future Proteste in Wien zu organisieren.

Was ist Fridays for Future und wie ist die Bewegung entstanden?

Friday’s for Future ist eine Jugendbewegung, bestehend aus Menschen die nicht mehr zusehen wollen wie die Zukunft ihres Planeten und auch ihre eigene aufs Spiel gesetzt werden. Wir als klimastreikende Jugend setzen uns für einen lebenswerten Planeten, soziale Gerechtigkeit und für eine lebenswerte Zukunft ein.

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Was hat dich dazu motiviert, dich für eine Sache wie den Klimawandel stark zu machen?

Durch mein Studium, Umwelt- und Systemwissenschaften in Graz, habe ich viel mit verschiedenen Umwelt-Themen zu tun gehabt. Es gibt viele Bereiche die mich in diesem Zusammenhang sehr faszinieren. In letzter Zeit beschäftigt mich das Klima und sein Wandel aber sehr. Denn im Moment und in Zukunft ist der Klimawandel eines der brennendsten Themen unserer Zeit, und zählt im 21. Jahrhundert zu einer der größten Herausforderungen der Menschheit.

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Zu Friday’s for future wurde ich auf der Klimakonferenz 2018 animiert, da ich dort als Jugenddelegierter der COP24 vor Ort sein durfte. Dort habe ich auch Greta Thunberg, die damals 15-jährige Schwedin, reden gehört. Seit August hat sie sich jeden Freitag vor das schwedische Parlament gesetzt und für das Klima gestreikt. Das fand ich beeindruckend, aber auch vor der Klimakonferenz hat sie in Australien und anderen Ländern zu größeren Streikbewegungen beigetragen, und Menschen motiviert sich ihrer Idee anzuschließen, um Druck auf die Politik zu machen.

Sie reden zu hören war unglaublich inspirierend. Auch während der COP 24 hat sie am Freitag auf dem Konferenzgelände gestreikt und das hat Johannes und Katharina, zwei andere Jugenddelegierte, und mich dazu gebracht die Friday’s for Future in Wien zu organisieren.

Als Mitbegründer der Demos in Wien frage ich dich: Was ist eure Botschaft und was fordert ihr?

Unsere Botschaft ist eigentlich recht klar und simpel: Wir wollen, dass die Politik sich an die Forderungen der Wissenschaft hält und sich am aktuellen Stand der Wissenschaft orientiert. Dazu gehört dann auch die Punkte umzusetzen, die im Pariser Klimavertrag unterschrieben wurden. Es geht darum, die globale Erwärmung ganz klar zu begrenzen. Im Idealfall nicht nur auf 2°C, sondern auf 1,5°C Durchschnittserwärmung einzuschränken.

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In diesem Kontext muss ich sagen, dass wir schon eine globale Erderwärmung von fast 1°C seit der Industrialisierung haben. Damit bleibt ein halbes Grad übrig, und das bedeutet, dass wir jetzt handeln müssen. Jeden Tag können wir uns dazu entscheiden, anders zu Handeln als wir es bisher getan haben. Jeder Mensch kann mit einem nachhaltigen Lebensstil zu einer lebenswerten Zukunft beitragen. Doch wir sind auch der Überzeugung, dass dieser Wandel nicht nur eine Frage des persönlichen Lebensstils ist, sondern vor allem politische Rahmenbedingungen für mehr Klimaschutz geschaffen werden müssen.

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Konkret bedeutet das: Politiker müssen sich dafür einsetzen, dass wir eine Gesellschaft haben in der es leicht ist umweltfreundlich zu leben. Ohne ständig gegen den Strom schwimmen zu müssen um ein nachhaltiges Leben zu führen. Denn so läuft es im Moment.

Wer inspiriert dich in deinem Handeln?

Wie vorhin schon erwähnt, inspiriert mich Greta Thunberg sehr mit dem was sie tut. Im Moment nehmen wir ja das Interview beim Klimastreik in Wien am Heldenplatz auf. Im Hintergrund rufen die DemonstrantInnen: „Greta sitzt vor’m Parlament, weil sie die Gefahr erkennt.“ Das stimmt, und mit ihren jungen 16 Jahren hat sie erkannt, dass Klimaschutz auch eine Frage der Gerechtigkeit ist.

Es geht nicht nur darum auf die Wissenschaft zu hören, sondern sich auch bewusst zu machen, dass uns ältere Generationen und polittische Entscheidungsträger fallen lassen, indem sie viel zu wenig handeln und das Problem nicht Ernst nehmen. Auch jetzt merkt man immer wieder, dass viele es sehr gut finden, dass wir demonstrieren. Trotzdem stehen sie nicht hier mit uns und streiken. Doch genau das würden wir brauchen. Um ein Problem wie den Klimawandel zu lösen, braucht es alle.

Neben Greta inspiriert mich auch die sehr starke Klimaschutzbewegung in der Schweiz. Als Bewegung an sich, sind sie sehr faszinierend. Außerdem ist Louisa Neubauer, welche die Friday’s for Future Proteste in Deutschland organisiert, ebenfalls eine Quelle der Inspiration.

Was soll sich durch Fridays for Future ändern?

Das Wichtigste wäre den Stand der Wissenschaft auf politischer Ebene anzuerkennen und entsprechend zu Handeln. Es gibt ja den IPCC Report, ein ausführlicher Bericht vom Weltklimarat, der von tausenden WissenschaftlerInnen gemeinsam ausgearbeitet wurde. Dieser gibt schon sehr konkrete Handlungsvorschläge für die Politik.

Es gibt sogar eine eigene Zusammenfassung für Politiker die sehr klar macht, was getan werden muss um unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen. Ein Beispiel wäre der Ausstieg aus fossilen Energien und zwar so bald wie möglich. Vor allem Kohle als CO2 intensivste fossile Energieressource sollten wir aus unserem Energiewesen so schnell wie möglich eliminieren.

Auch die weltweite CO2 Neutralität bis 2050 wäre ein wichtiger Schritt. Das bedeutet, dass nicht mehr CO2 emitiert werden soll, als natürliche Ökosysteme wieder aufnehmen können. Anders als das IPCC, mit einer recht konservativen Meinung, bin ich der Ansicht, dass wir die CO2 Neutralität nicht mit Geo-Engineering erreichen sollten. Das wären zum Beispiel Kohlenstoff-Speicher unter der Erde, die wieder ein gewisses Risiko, ähnlich wie bei Atommüll, mit sich bringen. Denn auch das könnte eine Gefahr darstellen, und darauf können wir verzichten.

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Ich bin der Meinung, dass die Bäume und Böden die wir auf dieser Erde haben, sehr effektiv sind um CO2 zu speichern. Es gehört aber auch dazu, den sehr dekadenten Lebensstil vor allem in der westlichen Welt, so zu ändern, dass er im Einklang mit der Natur ist.

Hast du das Gefühl, dass ihr gehört werdet?

Ja und Nein. Die Öffentlichkeit ist schon sehr aufmerksam auf unsere Proteste geworden. Vor allem im europäischen und weltweiten Kontext. Wir in Österreich werden noch nicht so aktiv wahrgenommen, wie beispielsweise Greta Thunberg, die ja mittlerweile zu einer Art medialer Gallionsfigur geworden ist. Österreichweit wünschen wir uns mehr Aufmerksamkeit für unsere Proteste. Da wir ja nahe am Geschehen protestieren, kommen immer wieder PolitikerInnen vorbei, die es spannend finden was wir machen und auch Gespräche mit uns führen.

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Doch die Regierung reagiert bisher überhaupt nicht auf unsere Demonstrationen. Wir wünschen uns deshalb, dass auch die Entscheidungsträger dieses Landes wahrnehmen, was wir hier fordern, mit uns einen Dialog führen, und vor allem ihre Versprechen halten.

Es gibt ja einige Menschen die kritisieren, dass Schüler für die Klimaproteste die Schule schwänzen. Was sagst du dazu?

Bei uns in Österreich ist das Feedback weitgehend positiv. Es kommen auch LehrerInnen mit ihren SchülerInnen zum Streik, und nutzen ihn als Exkursion um auf demokratische Werkzeuge aufmerksam zu machen, und den Bildungsauftrag zu erfüllen. Außerdem ist die Uhrzeit bewusst gewählt, da sonst wieder kein Zeichen gesetzt werden würde. Klar es gibt auch PolitikerInnen, die der Meinung sind die Kinder sollten lieber in die Schule gehen und sich bilden, um dann vielleicht selbst mal WissenschaftlerIn zu werden. Doch wenn wir sehen wie nicht auf die Wissenschaft gehört wird, bei einem so wichtigen Thema wie dem Klimawandel, bringt es anscheinend nichts WissenschaftlerIn zu werden.

Wann und wo kann man euch finden?

Wir sind jeden Freitag von 11:55 bis 14:00 am Heldenplatz. Für alle die nicht streiken können um für Klimagerechtigkeit einzustehen, weil sie arbeiten müssen oder ander Verpflichtungen haben, gibt es andere zentrale Möglichkeiten teilzunehmen. Zum einen möchte ich aufrufen zum weltweiten Klimastreik am 15.3.2019. Dort werden tausende Menschen erwartet, und weltweit ist dieser Streik eine große Sache.

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An diesem Tag finden Streiks in über 500 Städten und 57 Ländern statt. Auch wir in Wien, organisieren einen riesigen Streik mit einem Demo-Zug durch die Stadt. Dafür brauchen wir die Unterstützung von jedem und jeder Einzelnen. Auch am 5. April wird es einen großen Klimaprotest geben, der auch am Nachmittag statt findet, damit auch ältere Generationen daran teilnehmen können, um die Bewegung wachsen zu lassen. Außerdem ist jeder und jede herzlich eingeladen auf eine Tasse Tee und gute Gespräche vorbei zu kommen.

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