Lieber Ohne…Plastik – ein unverpacktes Einkaufserlebnis

Am Samstag dem 17.11. 2018 feiert „Lieber Ohne – bio, regional, unverpackt“ seinen ersten Geburtstag. Markus, der Inhaber, hat mir Fragen beantwortet und mir erzählt, was sich in einem Jahr getan hat und was er von diesem Prozess lernen durfte. Seine Antworten kannst du hier lesen.

Lieber Ohne ist einer der wenigen Läden, indem versucht wird so wenig Müll wie möglich zu verursachen. Es wird  an der Verpackung und vor allem an Plastik gesparrt. Der Müll der durch Lieferungen verursacht wird, fällt hauptsächlich in Form von Papier an und die Kunden können ihren Restmüll sogar noch viel mehr reduzieren.

Dafür wird aber nicht an Qualität gesparrt. Wichtig ist für die Betreiber von Lieber ohne, Ware aus ökologischem Anbau und möglichst regional zu beziehen. Du kannst mit deiner eigenen Verpackung wie: Gläsern, Jausenboxen oder anderen wiedervendbaren Alternativen vorbei kommen, und auffüllen was dir fehlt.

Mich hat vor allem die Motivation eines Menschen mit einem Geschäft wie diesem interessiert und wie schwer oder leicht ein solches Projekt umzusetzen ist.

Wie ist die Idee für Lieber Ohne entstanden?

Als begeisterter Wassersportler merkte ich auf Reisen immer mehr, wie viel Müll wir Menschen produzieren und wie sehr wir damit die Umwelt belasten. Es ist beinahe unvorstellbar, wie abgelegen und doch so vermüllt ein Strand sein kann. Immer mehr wurden mir die Ausmaße der Müllproblematik bewusst und es entstand ein innerer Antrieb mehr als nur auf privater Ebene zu ändern.

Es war ein Prozess. Ich überlegte wie es zu so einer Verschmutzung überhaupt kommen kann, und welche Lösungsmöglichkeiten es für diese Problematik gibt. Nicht von Heute auf Morgen kam mir die Idee für einen Lebensmittelladen wie Lieber Ohne, aber über die Jahre hatte sie Zeit zu reifen und auch die Motivation wurde immer größer.

Ein Grund dafür war die Geburt meines Kindes, die  nochmal eine neue Welle der Gedanken in Sachen Müllvermeidung auslöste. Ich fragte mich, wie unsere Kinder wohl den Planeten vorfinden werden, und die Aussicht auf eine Erde voller Müll bereitete mir Sorgen. Vor allem weil sie gar nichts dafür können und trotzdem mit den Auswirkungen leben werden müssen. Das hielt ich für unverantwortlich, denn ich wünsche mir, dass sie einen mindestens genauso schönen Planeten vorfinden, wie ich es tat.

Es kam der Zeitpunkt, an dem ich wusste, es ist Zeit zu handeln und als ich dann auch noch Claudia kennen lernte, wurde dem Projekt nochmal so richtig Schwung verliehen. Mit Lieber ohne nimmt unsere Überzeugung, dass Wirtschaften auch Ökologisch sinnvoll, kooperativ und gemeinwohlorientiert funktionieren kann, Gestalt an.

Die Lieber Ohne Küche

Lieber Ohne wurde gegründet um Müll zu reduzieren. Das Besondere ist, es handelt sich nicht nur um Plastik Müll, sondern mit der eigenen Küche wird auch versucht Lebensmittelabfälle so gering wie möglich zu halten. Täglich gibt es ein Menü, das von Claudia frisch zubereitet wird.

Es werden Zutaten verwendet, die vor ihrem Verfall gerettet und rechtzeitig genossen werden können, ohne Plastik, dafür mit liebevoller Zubereitung, guter Qualität und zur Unterstützung der regionalen Bauern und Anbieter. In der Küche von Lieber Ohne gibt es zusätzlich zum Tagesmenü aber auch immer wieder Veranstaltungen, wie einen Kochkurs, oder gemeinsames Kekse backen zu Weihnachten.

Welche Herausforderungen begegneten euch auf dem Weg mit Lieber Ohne?

Ein neues Geschäft zu starten ist das eine, aber einen Unverpackt Laden zu gründen nocheinmal eine Herausforderungen für sich. Denn Plastik hat schon gewisse und günstige Eigenschaften, die zum Beispiel die Haltbarkeit verlängern oder die Hygiene verbessern. Dafür Alternativen zu finden war am Anfang nicht immer einfach, und bis Heute gibt es Lebensmittel die hohe Ansprüche an die Verpackung stellen. Denn nur weil wir einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten wollen, legen wir nicht weniger Wert auf Geschmack und Haltbarkeit.

Wichtig war es deshalb, Produzenten zu finden die uns entgegen kommen und mit uns zusammen arbeiten. Das bedeutet konkret, dass sie bereit sind Waren ohne Plastikverpackung zu liefern. Oft werden die Waren dann in Papier oder anderen Behältern bereitgestellt, und wir müssen sie dann nur mehr in die Nachfüllbehälter umfüllen. Mittlerweile habe wir neben Lebensmitteln, auch Hauhaltsutensilien, nachfühlbares Putzmittel, Seifen oder Shampoo Bars.

Wie wird Kreislaufwirtschaft bei euch gelebt?

Kommen Kunden zu uns in den Laden, dann haben sie meistens auch Behälter mit, die sie als Verpackung verwenden. Sonst, haben wir natürlich auch Gläser die man für Pfand mitnehmen kann.

Doch uns ist auch wichtig darauf aufmerksam zu machen, eine Verpackung so lang wie möglich im Kreislauf zu behalten. Denn Glas ist zum Beispiel nur ökologisch sinnvoller als Plastik, was die CO2 Bilanz betrifft, wenn man es mehrmals verwendet. Dabei machen Veränderungen auf Konsumentenebene sehr wohl etwas aus. Ich verfolge den Gedankenansatz von: think big, act small. Das bedeutet das auch kleine Handlungen oder Veränderungen Großes bewirken können.

Markus, du hast dich ja jetzt schon eine Zeit lang mit der Plastikproblematik beschäftigt. Was sind deine Lösungsansätze für eine Welt, die lieber ohne Plastik auskommt?

Ich denke die einzelnen Handlungen der KonsumentInnen sind sehr wichtig, damit ein Müll reduzierendes Angebot geschaffen wird und die Nachfrage steigt. Darüber hinaus sollten wir uns aber auch Gedanken über die Ursache machen.

Die Ursache für Plastik ist Erdöl. Der Abbau allein war Schuld an großen Naturkatastrophen, schädigt ozeanische Ökosysteme aber auch an Land und in der Luft bleiben die negativen Auswirkungen nicht aus. Ich glaube deshalb, dass wir den Einsatz von solchen Energieträgern, die in weiteren Schritten zu Plastik verarbeitet werden, abbauen bzw. reduzieren sollten.

Ein weiterer Schritt sind bessere Recylingsysteme, und in Folge um das Problem wirklich am Schopf zu packen, sollten wir uns überlegen ob die Wirtschaftsweise die wir heute leben, zukunftsfähig ist. Denn es geht vor allem immer um finanzielle Aspekte, in Form von möglichst geringen Ausgaben und hohen Einnahmen. Damit werden aber soziale und ökologische Bedürfnisse vernachlässigt die zu einer Vielzahl an Problemen führen.

Wir sind außerdem in jeglicher Hinsicht ins kalte Wasser gesprungen, und mussten alles neu lernen. Zugegeben jemand, der schon lange im konventionellen Handel tätig ist, hätte es durch gewohnte Systeme und Arbeitsweisen vielleicht noch schwieriger. Eine persönliche Herausforderung war auch jegliche finanzielle Sicherheit hinter mir zu lassen. Denn als Familienvater habe ich ja eine gewisse Verantwortung und es war nicht einfach finanzielle Einbußen auszugleichen. Heute sehe ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind und das motiviert mich weiter zu machen.

Was hat sich in diesem einen Jahr „Lieber Ohne“ getan?

Mittlerweile schaffen wir es finanziell einigermaßen gut über die Runden zu kommen, das Sortiment ist gut gewachsen und wir haben immer noch Platz für weitere Produkte. Auch eine Haushaltshilfe unterstützt uns mittlerweile. Darüber hinaus wurde ich oft zu Veranstaltungen und Kooperationen eingeladen, um über Lieber Ohne und Plastik zu sprechen. Mich erfreut die automatische Vernetzung mit Gleichgesinnten und wie wir uns mit Lieber Ohne weiter entwickeln.

Wo soll es also hingehen mit „Lieber Ohne“?

Ich habe keinen Masterplan oder eine große Vision, aber ich würde mir wünschen, dass das Konzept funktioniert, der Laden ein Selbstläufer wird und ich einen Beitrag dazu leiste, weniger Müll zu verursachen. Sollte es einmal die Möglichkeit geben, weitere Standorte aufzubauen, bin ich sicher nicht abgeneigt. Was aber auch wünschenswert ist, sind Nachahmer die ihre eigenen Ideen miteinbringen, sodass flächendeckend die Möglichkeit geschaffen wird, unverpackt einzukaufen.

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