Umweltschutz, Kapitalismus und der Hambacher Forst mittendrin

   Der Hambacher Forst ist ein Stück Wald, das in Vergangenheit, aber auch noch Heute für Auseinandersetzungen sorgte. Doch es geht um mehr als Wald, Kohle oder Geld. Denn Hambi, wie der Wald auch liebevoll genannt wird, ist zu einem Symbol geworden. Für was und warum, liest du Hier. 

Das Thema ist emotional, sensibel und symbolisch. Die aktuellen Geschehnisse zeigen einmal mehr, wie wirtschaftliche Interessen und der Umweltschutz aneinander reiben, welche Prioritäten in der Gesellschaft gesetzt werden, und wie laut die Kritik am Kapitalismus schon zu hören ist.

Worum geht es?

Um den Braunkohle Abbau. Genauer gesagt möchte der Kohlekonzern RWE den Hambacher Forst roden, um dort in Zukunft weitere Braunkohle abzubauen. Dort leben nicht nur bedrohte Tierarten, sondern seit einiger Zeit auch AktivistInnen, die den Wald mit Barrikaden vor seiner Zerstörung beschützen wollen. Auch Umweltschützer fordern, das Aufschieben der Rodung, zumindest bis Genaueres zum Kohleausstieg Deutschlands feststeht.

Was bisher geschah?

Der Hambacher Forst ist aufgrund seiner Ökosystem Funktionen für viele Tierarten ein unverzichtbarer Lebensraum. Im Dezember 2017 wurden die Rodungen im Hambacher Forst vorübergehend gestoppt. Das wurde vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland erreicht. Dabei ging es vor allem um den Schutz der seltenen Bechstein-Fledermaus. Im Herbst 2018 endet der Rodungsstopp, nachdem der zweite Eilantrag des Bundes im August abgewiesen wurde.

Was ist das Besondere am Hambacher Forst?

Der Hambacher Forst ist ein sehr alter und großer mitteleuropäischer Wald. Er ist mindestens 4000 bis 5000 Jahre alt, wobei manche auch von 12000 Jahren ausgehen. Tatsache ist, dass Jahr für Jahr immer mehr von diesem 200 Hektar großen Wald verschwinden. Manche Bäume die hier stehen sind bis zu 350 Jahre alt und auch viele Tierarten, wie die Bechsteinfledermaus, der Springfrosch und die Haselmaus, sind an dieses wertvolle Ökosystem angepasst.

Die Rolle der Polizei

Die Polizei versucht währenddessen mit hohem Einsatzgebot die Aktivisten zu vertreiben, damit Bäume den Baggern weichen. Dafür wurden die PolizistInnen unter anderem mit Fäkalien beworfen, viele sollen bei einem Einsatz wie diesem, an ihre psychischen Grenzen getrieben werden.

Die Polizei hat auch den Befehl den Wald zu bewachen, damit Angehörige die AktivistInnen zum Beispiel nicht mit Essen unterstützen können. Wie aggressiv von beiden Seiten vorgegangen wird ist fraglich. Denn auf der einen Seite findet man Berichte die von Gewalt ausgehen und andere von friedlichen Protesten.

Allerdings musste es bis zum Tod eines Mannes kommen, der von einer Hängebrücke in 15 m Tiefe gestürzt ist. Die Staatsanwaltschaft schließt Fremdverschulden dabei aus. Nach dem Tod des Journalisten und Blogger, wurde es erst einmal still, Tränen flossen und ein Räumungsstop wurde verhängt.

Bevor du weiterliest:

Möchte ich dir unbedingt Pia von Piakraftfutter und ihren Instagram Channel empfehlen. Dort teilt sie was sie selbst erlebt hatte, als sie im Hambacher Forst war, um sich ein eigenes Bild zu machen. Sie betont, dass die AktivistInnen alles andere als aggressiv sind und, dass die Polizei unter anderem mit Gewalt vorgeht, oder versucht Verbleibende auszuhungern, bis sie freiwillig aufgeben.

Unter dem Hashtag #Hambibibleibt, der wegen der Abholzung des Hambacher Forstes kreiert wurde, kannst du dir ein Bild auf Instagram oder Twitter über die Aussagen der einzelnen Betroffenen machen.

 

In dem Kurzfilm von Mathias Edward Whelan, erhältst du weitere Eindrücke der Situation im Hambacher Forst.

Wie ging es dann weiter?

Am Montag wurde der Räumungsstopp vom Innenministerium Nordrhein Westfalen wieder aufgehoben, und die Räumung des Waldes geht weiter. Dabei musste auch die errichtete Gedenkstätte weichen. Jetzt wollen viele AktivistInnen, obwohl der Zustand belastend ist, erst recht nicht aufgeben. Sie blockieren zeitgleich eine Zugstrecke von RWE, die für den Transport der Kohle genutzt wird. Gestern fand außerdem ein Hackangriff auf die Internetseite des Kohlekonzerns RWE statt.

Es geht um mehr als Wald

Neben der Tatsache, dass bei den Einsätzen Waldwege platt gefahren, Waldbewohner gestört und Bäume abgeholzt werden, geht es auch um einen globalen Prozess. Immer mehr Wald wird gerodet, während sich Politiker an Tische setzen und über den Klimaschutz verhandeln.

Denn Während mit der Abholzung nicht nur Potential für das Binden von CO2 verloren geht, werden durch das Verfeuern der Kohle noch mehr Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen. Im „Kampf gegen den Klimawandel“ ist das doch eher kontraproduktiv.

Ein großer Teil der Wälder dieser Erde ist verloren und wird nicht mehr so schnell nachwachsen. Große Probleme wie der Klimawandel, setzen sich aus vielen kleinen Handlungen zusammen. Es macht wenig Sinn nur zu verhandeln, aber in Momenten in denen es darauf ankommt nicht zu Handeln.

Ein Recht auf Naturschutz?

Abgesehen vom Klimaschaden den diese Rodung anrichtet, ist noch nicht geklärt ob der Hambacher Forst nicht eigentlich FFH Richtlinien gemäß geschützt werden sollte. Doch ist der Wald erstmal gerodet, ist dieses Thema auch vom Tisch

Hambi zeigt uns nicht nur wie in Ländern wie Deutschland Prioritäten gesetzt werden, sondern auch wie unflexibel Politik ist. Denn die Bevölkerung protestiert für den Erhalt des Hambacher Forstes und 2 von 3 Menschen in NRW sind für einen Ausstieg aus der Braunkohle.

Über den Kohleausstieg

Die Kohlekommission ist ein Gremium indem Vertreter der Wirtschaft, Umweltschutz und er Politik vertreten sind. Bis Ende des Jahres sollen sie den Weg für den Kohleausstieg ebnen.

Wenn der versprochene Kohleausstieg also statt findet, wäre es unnötig den Hambacher Forst überhaupt für den Tagebau zu roden. Fossile Brennstoffe wie Kohle sind nämlich der Grund warum der Klimawandel überhaupt ein so großes Thema ist. Deshalb ist der Kohleausstieg auch im Koalitionsvertrag der CDU und CSU festgelegt.

Die Rolle von RWE?

Der Kohlekonzern RWE behauptet, dass die Abholzung des Hambacher Forstes nicht zu vermeiden sei, um die Stromproduktion zu sichern. Vor allem bedeutet die Rodung, große Mengen an Geld. Das bestätigt auch Konzernchef Rolf Martin Schmitz in einer ZDF Talkshow: “Die Annahme, dass der Forst gerettet werden kann,  ist eine Illusion“, sagte Schmitz.

Laut Bund wären  auch ohne Rodung des Hambacher Forstes noch genug Kohle da um den Wald bis auf Weiteres nicht zu roden.

22 bis 25 Milliarden Kilowattstunden Strom und damit 15 % des Strombedarfs in Nordrhein Westfalen, werden von RWE gedeckt. Rechtlich gesehen, soll der Konzern RWE die Genehmigung zum Kohleabbau seit 1977 haben.


Mehrere Umweltorganisationen haben geplant am 6. Oktober auf der Großdemo gegen den Kohleabbau ein Zeichen gegen fossile Energien und für Wälder wie diese zu setzen.

Wie die Geschichte für den Hambacher Forst ausgeht, wird sich entscheiden. Doch Hambi hat Emotionen geweckt, aufgerüttelt und warnt vor einem Wegschauen, welches wir schon viel zu lange praktizieren.


Quellen:

  • https://www.sueddeutsche.de/politik/braunkohlrevier-polizei-nimmt-raeumung-im-hambacher-forst-wieder-auf-1.4142583
  • https://www.sueddeutsche.de/leben/hambacher-forst-wald-deutschland-1.4136878?reduced=true
  • https://www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/report-hambacher-forst-mehr-als-nur-ein-streit-um-braunkohle/23080210.html?ticket=ST-1108066-udSYVgFxfCadEoFkp21F-ap5
  • https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-09/hambacher-forst-braunkohlegebiet-raeumung-gedenkstaette-aktivist
  • https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-09/rwe-hambacher-forst-konzernchef-maybrit-illner-rodung
  • @Piakraftfutter

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