Das Artensterben: der Mensch ist die größte Bedrohung

Das Artensterben schreitet mit rasanter Geschwindigkeit voran. Warum wir uns mehr für den Artenschutz interessieren sollten, was die Ursachen für den Biodiversitätsverlust sind, und welche Lösungsansätze es dafür gibt, liest du hier:

Das sechste Artensterben ist in vollem Gange und der Grund dafür sind wir. Es ist vergleichbar mit dem Aussterben der Dinosaurier. Doch damals war ein Meterorit Grund für die Auslöschung einzigartiger Tier- und Pflanzenarten. Heute reicht die Anwesenheit von uns Menschen. Denn die Summe unserer Handlungen, der Aufbau unserer Systeme und die Menge an Menschen, bringen die natürliche Welt immer mehr in Bedrängnis.

Ein Ende des Artensterbens ist nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil. In dem veröffentlichten Bericht der internationalen Naturschutzunion (IUCN, 2019), wurden 30.178 Tier und Pflanzenarten als bedroht eingestuft. So viele sollen es laut ExpertInnen noch nie gewesen sein. Mit der weiter fortschreitenden Klimaerwärmung könnten noch viele weitere Arten für immer verschwinden.

Die Rolle von Wissen

8 Millionen Tier- und Pflanzenarten soll es laut Weltbiodiversitätsrat (IPBES, 2019) weltweit geben. Mehr als 1 Million dieser Arten sollen vom Aussterben bedroht sein. Das ist zwar die umfassendste Veröffentlichung, bei der Daten global zusammen getragen wurden, aber trotzdem ist es nur eine Schätzung. Denn genau weiß man nicht, wie viele verschiedenen Arten es insgesamt auf diesem Planeten gibt.

Wir wissen, dass wir nicht alle Arten kennen, die es weltweit gibt. Uns ist auch bekannt, was wir tun müssen, um das gerade stattfindende sechste Artensterben zu entschleunigen. Klar ist auch, wir wissen genug, um zu wissen, dass wir handeln müssen.

Unser „Nichtwissen“ diente Entscheidungsträgern oft als Ausrede dafür, in diesem Bereich nicht zu agieren, und die Entwicklungen zu ignorieren. Warten wir jedoch auf alle wissenschaftlichen Beweise zu Fragen rund um das Artensterben, kann es für viele Arten zu spät sein. Das ist bedenklich. Denn „Nichtwissen“ schützt uns nicht vor den Folgen.

Was die Natur leistet

Die Natur ist ein ausgeklügeltes, verbundenes und komplexes System. Wir Menschen und alle Systeme die wir im Laufe der Zeit aufgebaut haben, sind von einer intakten Natur abhängig. Ohne diese Ökosystemdienstleistungen würde uns die Grundlage für das Überleben fehlen. Einen guten Überblick, darüber was die Natur leistet, gibt diese Grafik:

Living Planet Report 2018

Das Problem: wenn Arten verschwinden

Was ist das Problem, wenn eine oder mehrere Arten nicht mehr existieren? Ein Käfer, von dem wir noch nie gehört oder ihn je gesehen haben, scheint für Manche nicht besonders schützenswert. Doch jede Art ist schützenswert. Zumindest solange wir Menschen uns selbst schützen wollen.

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Jedes Tier und jede Pflanze hat eine bestimmte Aufgabe. Sie sind wichtige Bestandteile ganzer Ökosysteme. Zum Beispiel transportieren Vögel Pflanzensamen von einem Ort zum anderen. Sie sorgen dafür, dass sich die Pflanze weiterverbreiten und somit überleben kann. Dadurch ist auch die Überlebens- und Nahrungsgrundlage für weitere Arten gesichert.

Ein anderes Beispiel sind Haie. Sie werden auch die Räuber der Meere genannt, und zu Unrecht von vielen Menschen gefürchtet. Denn sie sind sehr wichtig für die Ozeane. Die Größe und Anzahl von Haien verrät, ob ein marines Ökosystem in Takt ist. Sie fressen alte und kranke Tiere und regulieren somit die Bestände und sorgen dafür, dass das ökologische Gleichgewicht beibehalten wird.

Es hat also keine Bedeutung, ob wir Tiere und Pflanzen schön oder süß finden. Gehen wir davon aus, dass jedes Lebewesen – ob Tier, Pflanze oder Mensch – schützenswert ist. Denn vor allem die Mischung verschiedener Arten macht das natürliche System, mit seinen zahlreichen Wechselwirkungen aus. Da wir noch weit davon entfernt sind, alles erklären zu können, sollten wir nicht noch mehr zerstören. Denn wir wissen nicht welche Funktion im Netzwerk verloren geht, wenn eine Art ausstirbt.

Die Ursachen für das Artensterben

Die Zunahme der Bevölkerung und der Pro-Kopf-Verbrauch von Ressourcen sind zweifellos die größten indirekten Hauptursachen des Artensterbens. Wir greifen aber auch direkt in die Natur ein. Die folgenden 5 Ursachen sind der Grund warum, das Artensterben schneller voran schreitet als je zuvor:

1.) Lebensraumzerstörung

Je mehr die Bevölkerung wächst, desto größer werden die Auswirkungen für die Natur. Die Zerstörung von Lebensraum wird in Kauf genommen für Autobahnen, die Energieproduktion oder zusätzliches Ackerland.

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Vor allem die industrielle Landwirtschaft leistet einen großen Beitrag zum Artensterben und der Lebensraumzerstörung. Für ein Steak oder die Futtermittel der gezüchteten Tiere, werden Arten an Orte gedrängt, an die sie weder angepasst sind, geschweige denn von uns Menschen geduldet werden. „Mehr als 500.000 der Landtiere haben nicht genügend Lebensraum zur Verfügung, um ohne dessen Wiederherstellung zu überleben.“ (IPBES,2019)

2.) Ausbeutung

Tiere sind Lebewesen, sie atmen, sie empfinden und sie können sterben. Oft behandeln wir sie aber nicht so, sondern nutzen sie als Ware. Eine multifunktionale Ware, die manche von uns ernährt, bekleidet, oder unterhaltet.

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3.) Der Klimawandel

Der Klimawandel stellt nicht nur für uns Menschen eine Gefahr dar, sondern auch für das Tier- und Pflanzenreich. Verschiedenste Ökosysteme könnten zum Kippen gebracht werden. Dadurch würde zum Beispiel das Reproduktions- und Migrationsverhalten vieler Tierarten durcheinandergebracht werden.

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Laut Weltbiodiversitätsrat könnte die vom Menschen verursachte globale Erwärmung, rund fünf Prozent der Arten auslöschen, wenn das 2°C Ziel des Pariser Klimaabkommens nicht erreicht wird.

4.) Verschmutzung

Die weiter zunehmende Verschmutzung kann Arten beeinflussen und vertreiben. Immer mehr Lebensraum wird ungeeignet für weiteres Überleben. Zum Beispiel nach einer Ölkatastrophe oder der zunehmenden Plastikverschmutzung. Man findet immer weniger Orte, wo keine Spuren von uns Menschen zu finden sind.

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5.) Invasive Arten

Der Klimawandel fördert die Ausbreitung invasiver Arten. Also jener, die eingewandert sind oder eingeschleppt wurden. Das Problem ist, dass die fremden Arten mit den Einheimischen um Nahrung, Raum und weiteren überlebenswichtigen Ressourcen konkurrieren. Somit werden die heimischen Arten vertrieben oder sterben aus.

Lösungsansätze für das Artensterben

Die Rolle der Menschen

„We are all in this together!“

Das gilt nicht nur für Corona oder eine Wirtschaftskrise, sondern auch für den Klimawandel und das Artensterben. Jeder Mensch kann Schützer der Natur sein und wird gebraucht für die Herausforderungen der Gegenwart. Die Summe unserer individuellen Entscheidungen bestimmt den Wandel der Welt.

Bei einer Podiumsdiskussion, die ich vor einigen Wochen besucht habe, nannte die Expertenrunde weniger und bewussten Konsum als etwas, das jeder Mensch sofort tun kann, um zum Artenschutz beizutragen.

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Neue Ansätze und kreative Ideen können wir vor allem dann entwickeln, wenn sich jeder einbringt. Verschiedene Fähigkeiten und andere Blickwinkel auf Probleme brauchen wir um es in Zukunft besser zu machen.

Die Bedeutung der Gemeinschaft

Wenn wir die Schätze dieser Erde retten wollen, müssen wir zusammenarbeiten. Die Sprache, die Fähigkeit komplex zu denken und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, haben uns Menschen erst ermöglicht, den Platz einzunehmen, den wir heute besetzen.

Um die Arten dieser Erde zu schützen braucht es einen gesellschaftlichen Wandel. Bereit zu sein sich selbst persönlich weiter zu entwickeln, ist essenzieller Aspekt im Artenschutz. Denn man kann die Welt nicht ändern, ohne sich selbst zu verändern.

Wir haben als sogenannte Krönung der Schöpfung eine große Verantwortung: Die Natur zu schützen!

Politische Einigkeit

Was wir vor allem brauchen ist das gemeinsame Verständnis für den Wert der Natur. Dieses muss sich auch in den Gesetzen oder Preisen widerspiegeln.

Vor allem die Agrarpolitik muss sich ändern.Weg von flächendeckenden Förderungen hin zu einer Förderung, die Gemeinwohl und Biodiversität im Fokus hat. Intakte Ökosysteme sind die Basis für alles andere: zum Beispiel unsere Gesundheit und eine florierende Wirtschaft.

Wir brauchen eine Transformation der Gesellschaft

Es ist nicht zu spät, aber länger Entwicklungen zu ignorieren, die das Leben auf diesem Planeten gefährden, wäre nicht besonders klug. Damit würden wir unserem Namen nicht gerecht werden.

Auf vielen Ebenen muss sich vieles ändern, und ob wir das Artensterben stoppen können, hängt vor allem davon ab, was unsere Prioritäten sind und wir langfristig wir denken.

Unsere Entscheidungen in der Gegenwart beeinflussen das Leben in der Zukunft. Arten, die ausgestorben sind, können nicht zurückgeholt werden. Biodiversität geht damit unwiederbringlich verloren.

Wir Menschen haben bis heute schon vielen Lebewesen die Existenzgrundlage genommen. Fehlendes oder mangelhaftes Wissen soll aber nicht die Ursache für das Aussterben weiterer Arten sein. Es ist Zeit, dass vor allem Tiere besser geschützt werden, vor der größten Bedrohung, der Menschheit. Denn Tiere verbinden uns mit der Natur. Jedes ist für das natürliche Netzwerk wichtig: dazu gehören auch wir Menschen.

Quellen:

  • Living Planet Index
  • Weltbiodiversitätsrat
  • Millennium Ecosystem Assessment
  • Österreichischer Biodiversitätsrat
  • Neue rote Liste

https://www.iucnredlist.org/

https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-05/artensterben-ralf-seppelt-biodiversitaet-artenschutz-oekesysteme-ipbes

https://www.spektrum.de/thema/artenvielfalt-und-artensterben/843242

https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52736/bedrohte-arten

https://www.wwf.de/themen-projekte/weitere-artenschutzthemen/rote-liste-gefaehrdeter-arten/

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