Hinter den Kulissen: auf der UN-Klimakonferenz in Kattowitz mit einer Jugenddelegierten

Foto: Nicole Mimra

Der Klimawandel ist in vollem Gange, und die Temperaturen steigen. Nicht jeder sieht das so, und manche bezweifeln vor allem das menschliche Verschulden.  Deshalb stritten und diskutieren die Landesvertreter dieser Erde, die letzten 2 Wochen auf der UN Klimakonferenz in Kattowitz, über den  Einsatz in Sachen Klimawandel. Es geht um nicht weniger als die Zukunft der Menschheit und was wir dafür tun wollen. In Kattowitz wurden die technischen Rahmenbedingungen für zukünftige Klimaschutzmaßnahmen vorbereitet. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber reicht das aus?

in Kattowitz auf der COP24

Eine weitere  Klimakonferenz ist zu Ende gegangen. Doch was ist dort eigentlich passiert? Das Ergebnis der diesjährigen, 24. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen in Kattowitz ist die Verabschiedung des „Katowice-Klimapakets“.

Das sind Umsetzungsleitlinien, die vorgeben wie Länder über ihre Klimaschutzmaßnahmen berichten und wie diese weiterentwickelt werden sollen. Sie heißen NDC’s, für nationally determined contributions.
Außerdem wurde darüber verhandelt wie Entwicklungsländer finanziell unterstützt werden können, und  über ein Verfahren zur Durchführung der ersten „globalen Bestandsaufnahme“ der Wirksamkeit globaler Klimaschutzmaßnahmen im Jahr 2023 diskutiert. Die Klimakonferenz diente außerdem zur Steigerung der Ambitionen bei Klimaschutzmaßnahmen.

War die UN-Klimakonferenz erfolgreich?

Das Wuppertal Institut veröffentlichte nach der Klimakonferenz einen Bericht, indem die Schlüsselergebnisse veröffentlicht wurden. Eine genauere Version soll im Jänner noch folgen. Doch schon jetzt weiß man, dass das was in Kattowitz ausgehandelt wurde, gerade einmal das Minimum an Einsatz darstellt, der nötig ist um zumindest das 2°C Ziel zu erreichen. Das war lediglich, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Die richtige Arbeit kommt noch, und zwar wenn es darum geht die Emissionen zu reduzieren.

Ein Interview mit einer Jugenddelegierten

Ich habe mich mit Nicole Mimra getroffen und ihr ein paar Fragen gestellt. Denn sie ist eine der Jugenddelegierten von Österreich und war mit der Organisation CliMates Austria zur Klimakonferenz in Kattowitz gefahren.  CliMates Austria ist eine Initiative die dem Klimaschutzgedanken in Österreich mehr Raum geben möchte und hat die Reise organisiert. Finanziert wurde das Kattowitz Projekt durch das Ministerium für Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Lass uns mit einer positiven Frage beginnen. Was hat dich am meisten inspiriert auf der COP24?

Für mich war es wirklich inspirierend welchen Beitrag indigene Völker und Menschen, die am Meisten vom Klimawandel betroffen sind, geliefert haben. Obwohl sie schon jetzt die Auswirkungen des Klimawandels spüren, versprühen sie viel Optimismus und Lebensfreude. Diese Menschen haben in Kattowitz das zwischenmenschliche Klima wirklich verändert und sorgten für Motivation bei einem wichtigem Thema wie dem Klimawandel. Das haben sie mit den sogenannten Actions, in Form von Flashmob’s oder emotionalen Reden erreicht. Es schien als würden sie die Hoffnung nicht aufgeben.

Außerdem war da natürlich noch eine 15-jährige Schwedin die jeden Freitag die Schule schwänzt um für mehr Klimagerechtigkeit vor dem schwedischen Parlament zu demonstrieren. Ihr Name ist Greta Thunberg und auch bei der COP24 hat sie es sich nicht nehmen lassen, den Menschen zu zeigen, was ihr wichtig ist. Sie verbreitete ehrliche und klare Botschaften wie: „Wenn Lösungen in diesem System so schwer sind, dann sollten wir das System ändern.“ Weltweit hat diese junge Dame berührt und mit ihrer Rede uns alle nochmal mehr aufgerüttelt. Damit bewies sie: Man ist nie zu klein um etwas zu bewegen.

Hier ist ihre Rede:

Wie hat sich Österreich bei einer wichtigen Verhandlung wie dieser, präsentiert?

Dazu kann ich nur sagen: Fossil of the day! Das ist ein Negativ-Preis, der jeden Tag vom globalen NGO-Netzwerk Climate Action Network CAN verliehen wurde. Österreich bekam diesen Preis, weil der Kompromissvorschlag Kohlesubventionen der EU noch bis 2035 zu erlauben, alles andere als fortschrittlich ist, was Klimaschutz betrifft.

Das allein wäre schon genug, aber die österreichische Politik setzte noch einen drauf, mit einer fehlenden Zusage zur  internationalen Finanzierung von Maßnahmen gegen den Klimawandel. Auch Vizekanzler Strache hat mit seinen Zweifel am menschengemachten Klimawandel nochmal dafür gesorgt, dass Österreich den Preis auf jeden Fall verdient hat.

Wie Heinz-Christian Strache selbst zu gibt, er kennt sich mit Naturwissenschaft und dem Klimawandel nicht aus. Hier ein Interview mit einer Person, die es tut: Helga Kromp-Kolb

Am Ende hat sich der Negativ-Preis aber auch gelohnt, denn mittlerweile hat man sich darauf geeinigt, staatliche Kohlesubventionen nur mehr bis 2025 zu ermöglichen. Hier kannst du das nachlesen.

Wie ist dein Eindruck von Polen und wie hat sich das Gastgeberland der UN-Klimakonferenz präsentiert?

Als ich durch die Straßen in Kattowitz ging, kam es mir ständig vor als wäre Dauer-Silvester. So roch es nämlich. Der Geruch kommt von den Kohlekraftwerken, und Polen zeigt ja auch wie euphorisch das Land gegenüber diesem Energieträger ist. Eine Namensänderung von poland auf coal-land wäre meiner Meinung nach, durchaus passend.

Auch was den Auftritt bei der Klimakonferenz betrifft, haben die Vertreter Polens anscheinend noch nicht ganz verstanden welche Auswirkung der Klimawandel haben kann. Denn würden sie das tun, würden sie ihren Pavillon wohl kaum mit Kohle dekorieren, oder Schmuck und Seifen in Kohle-Form verteilen. Denn das setzt ein Zeichen, wie man zum Klimawandel steht. Außerdem ist Polen mit dem ultimativen Negativ-Preis in Sachen Klimaschutz ausgezeichnet worden: dem Fossil of the year.

Wie war euer Tagesablauf als Jugenddelegierte Österreichs, und wieviel Einblick konntet ihr bekommen?

Nach dem Frühstück haben wir uns auf den Weg zur Klimakonferenz gemacht. Als wir dort ankamen und den Security Check gemeistert haben, sind wir meist zu dem Meeting von den Climate Trackern. Das ist eine Organisation die Ereignisse in Sachen Klimaschutz weltweit aufzeichnen und dann präsentieren.


Diese Graphik von den ClimateActionTrackern zeigt, wie und ob, wir die Temperaturziele bei unterschiedlichem politischen Einsatz erreichen können. Mit derzeitigem politischem Engagement werden wir gerade einmal bei 3°C landen.

https://climateactiontracker.org/global/temperatures/

 

Interessiert dich wie dein Land international in Sachen Klimaschutz abschneidet? Dann schau hier bei climateactiontracker.org vorbei.


Es war interessant, weil man immer Zusammenfassungen und Ausblicke auf die kommenden Tage bekam. Danach haben wir uns an der Event-Tafel orientiert, und entschieden zu welchen Verhandlungen wir gehen wollen. Die waren schon interessant, allerdings musste man wirklich wissen über welches Dokument und welchen Paragraphen gerade diskutiert wurde.

Was spannend war, war die Dynamik unter den Ländern. Mit anderen Worten, wie sich gewisse Länder besonders für Klimaschutz eingesetzt haben und andere am liebsten nichts mit dem Thema zu tun haben wollen. Länder wie Saudi Arabien haben mit  Einwänden vor allem blockiert und dafür gesorgt, dass sich die Verhandlungen hinaus gezögert haben.

Es gab auch viele Side Events, also Vorträge wie zum Beispiel von Herrn Andersen von der Uni Uppsala, oder über den Ipcc Report, sowie Degrowth Veranstaltungen. Wenn ich nicht bei einem von diesen Side Events war, hab ich bei dem Flashmob gegen die Trump Administration mitgemacht, die Kohle ja bis in den Himmel lobt.

Was ist in den 2 Wochen auf der Klimakonferenz in Kattowitz passiert?

In der ersten Woche ging es ja hauptsächlich um die technischen Rahmenbedingungen und Formulierung der Regelwerke. Mir ist klar geworden, dass es wirklich schwierig sein kann einen Konsens bei 200 teilnehmenden Staaten zu finden.

Ein Land reicht um die Verhandlungen unnötig hinauszuzögern oder zu behindern. Es geht auch einfach oft um die Auslegung der Sprache. Zum Beispiel beim IPCC Report, der aktuellsten wissenschaftlichen Dokumentation zum Klimawandel. Den Report wollten gewisse Staaten ernst nehmen, während andere ihn lediglich zur Kenntnis nehmen.

In der zweiten Woche waren viele Verhandlungen für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. In den Verhandlungen waren dann wirklich nur die Minister mit wenigen Experten.

Dafür gab es aber eine Demo. Sie lief  sehr friedlich ab, aber trotzdem fordernd und zwar nach Klimagerechtigkeit. Einschüchternd war aber die Präsenz der Polizei. Sie waren nicht nur viele, sondern auch komplett ausgerüstet mit Tränengas, Waffen und Schienbeinschützern. Außerdem durften angeblich mindestens 200 Personen gar nicht teilnehmen. Sie wurden schon bevor sie die Stadt betreten konnten aufgehalten.

Wie geht es jetzt für dich weiter als Jugenddelegierte?

Wir planen gerade ein After-COP24 Event, das voraussichtlich am 11. Jänner statt finden wird. Dabei wollen wir die Klimakonferenz noch einmal Revue passieren lassen. Sonst wartet im Frühjahr eine Zwischenkonferenz, und wir hoffen, dass wir wieder akkreditiert werden. Im November geht es dann weiter mit der COP25 in Chile. Dort wird es auch wieder unseren Newsletter geben. Dafür können sich dann auch wieder neue Jugenddelegierte bewerben und vor Ort mit dabei sein.

Was nimmst du mit von deiner Erfahrung am UN-Klimagipfel?

Viel mehr Menschen müssen von den Herausforderungen und Lösungen rund um den Klimawandel erfahren. Er wird uns alle betreffen, und nur gemeinsam können wir die Auswirkungen abschwächen. Dafür müssen wir als Bevölkerung eindeutig mehr von den Politikern fordern, damit diese verstehen wie wichtig uns Klimaschutz ist. Inzwischen ist es auch wirklich schwer Argumente dagegen zu finden, denn die Fakten sprechen eindeutig für sich und Lösungen liegen auf dem Tisch. Nur weil Österreich noch nicht so betroffen ist wie andere Länder, heißt das nicht, dass wir uns keine Sorgen machen brauchen.


Die COP24 ist also vorbei, doch die Arbeit beginnt erst jetzt. Bei der Konferenz wurde nämlich ein Regelbuch zum Pariser Klimaschutz-Abkommen beschlossen. Während in Paris festgelegt wurde Was passieren muss, versuchte man sich hier so gut wie möglich auf das Wie zu einigen. Jetzt wirklich etwas zu tun ist wichtig, denn die Zeit bleibt nicht stehen, die Emissionen sind noch nicht gesunken und das Klima erwärmt sich. Schon die Veränderung von einem halben Grad mehr, bringt dramatische Folgen mit sich. Dass, wir die Erderwärmung auf 1,5°C begrenzen können wird immer unwahrscheinlicher. Zumindest die 2°C sollten wir aber schaffen, damit es eine Zukunft für uns Menschen gibt. Die nächsten 12 Jahre sind entscheidend für besseren Klimaschutz.

Quellen:

  • https://diepresse.com/home/ausland/aussenpolitik/5544328/Klima_NegativAuszeichnung-Fossil-of-the-Day-geht-an-Oesterreich?utm_medium=Social&utm_source=Facebook&xtor=CS1-15&fbclid=IwAR3jr5PbnbpOgxYy3ZHSw2F7w8XJJj6S8ue-nXZcj3WKGig9Xb9Q2r4hsaY#Echobox=1544463598
  • https://wupperinst.org/en/a/wi/a/s/ad/4570/
  • https://unfccc.int/process/the-paris-agreement/nationally-determined-contributions/ndc-registry

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